Da ich es in den letzten Monaten versäumte habe über meine Arbeit zu berichten, möchte ich dies in diesem Blogeintrag nachholen. In drei Monaten sammeln sich wohl zu viele Ereignisse an um über jedes einzelne detaliert zu berichten. Deshlab möchte ich mich hier auf den typischen Tagesablauf und einige wichtige Begebenheiten beschränken. Ein typischer Tagesablauf läuft inzwischen weitgehenst routiniert ab. Nachdem die Kinder, teils per Bus teils aus der nahen Wohngruppe, in der Schule angekommen sind begeht die komplette Schule das allmorgendliche Ritual des “Morgenkreises”, in dem gesungen wird und festgestellt wird welche Kinder heute fehlen. Anschließend bleiben einige Klassen in dem Haupgebäude und ich begebe mich mit meiner “Werkoberstufe” in das nahe Haus, in welchem diese unterrichtet wird. Dort verbringen wir zunächst einen Teil des Morgens in der Werkstatt wo ich insbesondere auf die schwerer behinderten Kinder aufpasse, diese beschäfige und kleinere Übungen mit ihnen mache. Bei einem sehr schwer behinerten Mädchen sehe ich zunehmend Fortschritte, sie kann inzwischen ihre rechte Hand öffnen und Dinge greifen was ihr auch ermöglicht einige Töne auf einen Xylophon zu spielen wobei sie oft vor Freude brüllt und es ihr sichtlich Freude bereitet. Schwerer ist die Arbeit mit einem autistischen Schüler, da es schwer ist zu ihm durchzudringen und ihm begreiflich zu machen was man von ihm verlangt. Hier macht nicht er Fortschritte sondern viel mehr ich, da ich langsam begreife wie ich in seine Welt vordringe und ihn animieren kann. Von den acht Kindern die sich in meiner Klasse befinden, sind drei lediglich physisch behindert und somit auf ihren Rollstuhl angewiesen. Ich musste allerdings mit erstauenn festellen, dass ihre abhängigkeit von diesen nicht so groß ich wie ich zunächst erwartet hatte. Denn diese drei besitzten außergewöhnliche Fähigkeiten. Durch das jahrelange benutzten ihrer Rollstühle haben sich die Muskeln in Armen und Händen soweit entwickelt, dass es ihnen möglich ist sich auch nur mit Hilfe ihrer Hände forzubewegen. Doch das ich bei weitem nicht das fazinierenste. Denn durch lange Arbeit mit dem in der Schule arbeitenden Tanzlehrer, haben sie gelernt Breakdance zu Tanzen. Was ich zunächst kaum glauben konnte wurde mir bereits am ersten Tag im Zentrum gezeigt. Auf den Händen um die eigene Achse wirbeln, einiarmige Handstände auf dem Boden oder den Händen des anderen machen gehört zu ihren beeindruckensden Kunststücken. Mit diesen erstaunlichen Fähigkeiten haben sie auch bereits an Wettbewerben Teilgenommen, Preise gewonnen und letztens Jahr führte sie ihr Sport sogar nach Österreichen, wo sie an einer hießigen Talentshow teilnahmen. Doch vor lauter schwärmen von meinen “Breakdance-Kindern” sollte ich natürlich auch nicht ausser acht lassen, dass es in meiner Klasse noch mehr Kindern gibt, von welchen jedes auf seine eigene Art erstaunlich ist, wie es sein Schicksal meistert und dabei seine Lebensfreude bewahrt. Ein anderes Mädchen aus meiner Klasse erfüllt mich jeden Tag wieder aufs neue mit Freude wenn ich beobachten darf wie es mit ihrem Schweren Los fertig wird und dabei stets vergnügt und fröhlich ist. Dieses Kinder is an den Rollstuhl gebunden, hat schwerste körperliche Deformationen und kann sich lediglich durch einzelne gehauchte Wörter bemerkbar machen. Doch sie weißt eine enorm hohe Wissbegierde auf und möchte an jedem Unterricht zur Gänze teilnehmen. Es ist ihr allerdings nur möglich ihren rechten Arm in einem Winkel von knapp 10° zu bewegen und feinmotorig kann man bei ihr vergebens suchen. Deshalb nimmt mich dieses Kind zu Unterrichtszeiten am meisten in Anspruch. Stets muss ich ihren Arm führen damit sie die gelehrten Themen in ihr Heft schreiben kann und bin ich einmal kurz nicht aufmerksamt ermaht sie mich sofort mit einem vorwurfsvollen und motivierenden Ruf meines Namens. Inzwischen beherrscht sie die Zahlen von Eins bis Zehn sowohl in Deutsch als auch auf Russich und die Matheleherin hat es bereits geschafft, ihr beizubringen einfache Matheaufgaben zu lösen. Doch es gibt einen anderen Schüler der mich wohl am meiste auf Trab hält. Ein kleiner Junge, der aufgrund seines Alters eigentlich nicht in der Werkoberstufe gehört, den aber keine der anderen Lehrerinnen mehr in deren Klassen haben wollte. Den Grund dafür darf ich jeden Tag erfahren, er ist ein pures Energiebündel, hört kaum auf Anweißungen und trotz seiner noch kurzen Beinen schafft er es doch des öfteren zu entwischen, woraufhin eine kleine Vervolgungsjagd beginnt, die ich zwar ohne Mühe gewinnen mich aber trotzdem Kraft und Nerven kostet. Doch diesem Kniprs sehe ich mich nicht alleine gegenübergestellt, denn ein anderer Schüler der für sein Alter von 16 Jahren bereits eine erstaunliche größe für kirgiscihe Verhältnisse erreicht hat und sogar mich bereits überragt, sieht sich gerne in der Rolle eines Aushilfslehrers und ist mir des Öfteren dabei behilflich meinen kleinen Ausreiser zu bändigen. Dabei muss ich allerdings aufpassen dass er dies nicht mit Gewalt versucht, da es in der kirgischen Gesellschaft leider noch zuweit verbreitet ist, dass man Kindern gelegentlich eine “Watsche” verpasst. Doch auch wenn es manchmal etwas stressig auf Kinder mit so verschiedenen Behinderungen und Charaktern aufzupassen, so mag ich doch jedes Einzelne von ihnen auf seine ganz eigene Weise. Um zum Tagesablauf zurückzukehren: Nach dem Werkunterricht gibt es ein kleines Frühstück auf welches anderer Unterricht wie Biologie, Russich oder (sehr zu meinem Leidwesen und das meiner Schüler) auch Mathe folgt. Nach dem Mittagessen wird noch etwas Session bedingte Bastelarbeit gemacht, wie zum Beispiel Weihnachtskarten oder Neujahrsschmuck basteln und anschließend geht es zum Schulbus. Sofern dieser funktioniert was bei minus 20° nicht selbstverständlich ist und so habe ich in der letzten Arbeitswoche meinen Hin-und Rückweg mit meinem Schüler, dem Energiebündel beschreiten dürfen. Momentan kommen wir allerdings kaum noch zum unterrichten, da wir uns vor Konzerten von anderen Schulen und Universitäten kaum noch retten können. Denn das hießige Neujahrsfest, welches ein Überbleibsel aus Sowjet Zeiten darstellt, ist vergleichbar mit unserem Weihnachten. Es gibt einen Tannenbaum, einen Weihnachtsmann der hier Väterchen Frost oder Дед Мороз heißt und anscheinend ist es im Dezember üblich Gutes zu tun. Mehrmals die Woche werden wir von Schülern, Studenten oder zuletzt auch von Soldaten aus der nahen Áir-Force-Base besucht, die Lieder singen, tanzen, kleine Geschenke verteilen und sonst allerlei Unterhaltung bieten. Es ist schön die Freude in den Augen der Kinder zu beobachten wenn Väterchen Frost den Raum betritt, Süßigkeiten, Spielzeug und Plüschtiere verteilt. Bei dem Besuch einer Universität welche auch mit Breakdancern aufboten, kam es sogar zu einem kleinen Breakdance Wettkampf zwischen meinen Schülern und den Breakdance tanzenden Studenten.
Des Öfteren wurde ich schon nach Bildern aus meiner Arbeit gefragt. Da ich die Bilder meiner Kinder ungern im Facebook zur Schau stelle, biete ich jedem an, der Interesse an den Bildern hat, mich zu kontaktieren, seine E-mail Adresse zu hinterlegen und anschließend werde ich mich bemühen euch die Bilder möglichst schnell zukommen zu lassen.